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Esel tragen die Ziegelsteine

/ / Presseartikel – K3 Dämmservice

Lathwehren/Sidhpur. Die Lathwehrener Ofenbauer Anna-Lena Rogat und Norbert Fink sind im nordindischen Frauenkloster „irgendwie außerhalb von Zeit und Raum gelandet“, wie es ihr Tagebuchschreiber und Reiseinitiator Toni Geddert übermittelt.„Die Vegetation rund um das Kloster ist wunderschön üppig, und wir durften sogar bei einer indischen Hochzeit mitfeiern.“ Von den Nonnen des Klosters Thösamling wird das sechsköpfige Ofenbauteam aus Niedersachsen, welches einen Lehmofen im Speisesaal aufbaut, geschätzt.

Der Arbeitstag wird von den Witterungsverhältnissen diktiert. So findet die Lehmaufbereitung gleich morgens statt, weil ab 14 Uhr häufig starke Monsunregen niedergehen. Vor der Kulisse des Himalaya-Gebirges krempeln Almut Ellenberg und Karin Geddert in aller Frühe ihre Hosenbeine hoch, um den Lehmmörtel mit Fußtritten weich und geschmeidig zu bekommen.

Die Ziegelsteine werden mit Eseln zum hoch gelegenen Kloster transportiert, wo Toni Geddert und Gerd Onnen, im deutschen Arbeitsleben Profis für Dämmstoffe, den Hammer in die Hand nehmen, um sie passgenau zu behauen. Nachts können die Niedersachsen den Gesängen und Rezitationen lauschen, denn derzeit findet ein neuntägiges Fest zu Ehren der hinduistischen Erdgöttin namens Durga statt. „Im Kloster sieht man das als sehr gutes Zeichen für den Bau des Ofens“, wie Norbert Fink erfahren hat. „Wir haben uns an die einfachen Gegebenheiten schnell gewöhnt“. Einziges strombetriebenes Hilfsmittel sei die Bohrmaschine. Anna-Lena Rogat muss immer wieder improvisieren. Ihr fehlte ein Schornsteinanschluss, den sie kurzerhand aus zwei Vorratstöpfen aus Edelstahl fertigte.

„Wir liegen mit unseren Arbeiten gut in der Zeit“, resümiert Geddert. Dabei genießt das deutsche Ofenbauteam allerhöchsten Respekt vor Ort. Nur das kooperative Zusammenwirken der drei Frauen und drei Männer scheint in Indien ungewohnt: Dass Anna-Lena Rogat als Frau bohrt, Löcher stemmt und mauert, während Norbert Fink fegt oder anreicht, finden sie dort ein bisschen seltsam, schreibt Geddert.

Autorin: Patricia Chadde, Leine-Zeitung vom 10. Oktober 2014

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